Ortsgeschichte

Zur Geschichte von Sprakel, Sandrup und
 

1. Erste urkundliche Erwähnungen 

    Die ersten urkundlichen Erwähnungen von Sprakel, Sandrup und Coerde finden sich im Kopiar einer Urkunde aus dem Schloß Kappenberg. Bischof Sigifried von Münster (1022 - 1032) hatte kurz vor seinem Tode noch sieben neue Landkirchen geweiht, unter denen sich auch die zum Schloß Kappenberg gehörende Kirche von Coerde befand. Ihr Pfarrsprengel sollte aus Teilen der alten Dompfarrrei so zusammengestellt werden, daß sie mit dem zu zahlenden Zehnten die wirtschaftliche Grundlage für die Kirche und ihre Geistlichen bilden konnte.
    Für die Kirche in Curithi, wie Coerde seinerzeit hieß, wurden die folgenden Bauerschaften und Einzelgehöfte festgelegt: Ubbonberg (Bauerschaft Uppenberg), Curithi (Coerde), Sandondorp (Bauerschaft Sandrup), Sprakonlo (Bauerschaft Sprakel), Galmeri (Bauerschaft Gelmer), Legsetin (Gehöft Laxen) u.a.. Doch die Pfarrei Coerde kam nie zustande. Die ihr verliehenen Pfarrechte bezogen sich einzig und allein auf die Besitzung Haus Coerde, das in der Folgezeit bis zur Säkularisierung von Cappenberger Stiftsherren seelsorglich betreut wurde. Die ursprünglich Coerde zugedachten Bauerschaften Sprakel, Sandrup und Uppenberg fielen an die von Bischof Hermann I. (1032 - 1042) ab dem Jahre 1040 gebaute Liebfrauen-Überwasserkirche, Coerde, Gelmer u.a. Bauerschaften wurden der 1070 gegründeten Mauritzpfarre zugeordnet.
    Der Name Sprakel, früher Sprakonlo bzw. Spraclo (=spraokeln Haolt), bezeichnet dichtes Unterholz; er verweist darauf, daß ein großer Teil der Landschaft aus dichten üppigen Wäldern mit Schwarzerlen und Eschen sowie mit weitgehend undurchdringlichem Unterholz bestand. Die Siedlungen der Bauern in Sprakel, Sandrup und Coerde lagen vornehmlich östlich unterhalb des Kiessandrückens der via regia (heutige B 219) oberhalb der Flußauen von Aa und Ems. Einige Siedlungen dürften auch westlich des Kiessandrückens im Bereich der Lößböden gelegen haben, jedenfalls nicht westlich des etwa am jetzigen Max-Clemens-Kanal beginnenden Kleibodens, der damals für eine Beackerung zu schwer erschien. Gesiedelt wurde an den meist hochgelegenen Eschen am Rande der Ackerfluren.
 

2. Mittelalter und Feudalismus 

    Mit dem Sieg der Franken und der Christianisierung des Landes wurden den ehemals freien sächsischen Bauernin den folgenden Jahrhunderten auch die fränkische Grundherrschaft und die fränkische Gesellschaftsordnungaufoktroiert. Landesherren und damit eigentliche Grundherren waren die Kaiser oder König, solange das heilige römische Reich deutscher Nation existierte. Das Land ging zunächst als Lehen, später als Dauerbesitz an den höheren und niederen Adel. Die direkten Grundherren waren damit die Adeligen und die aus dem Adel stammendenhöheren Geistlichen der katholischen Kirche (Bistümer, Klöster und Stifte).
    Auch im Münsterland nahm vom 11. Jh. an der Anteil der Kirche am Grundbesitz stetig zu. Das Bistum Münster soll schon frühzeitig über 1000 Höfe gehabt haben. In Sprakel, Sandrup und Coerde waren daher überwiegend kirchliche Grundherren anzutreffen, und zwar für Sprakel und Sandrup das Domkapitel und das Benediktinerinnenkloster Überwasser sowie für Coerde das Stift Cappenberg, zu dem das Haus Coerde gehörte. Die Höfe wurden der Kirche teils aus religiösen Gründen von den Erblassern geschenkt, teils aus ökonomischen Gründen verkauft, wobei Notlagen auf den Höfen und das Aussterben der Familien zur Aneignung ausgenutzt wurden. Darüberhinaus hatten auch die Hofbesitzer ein Eigeninteresse, sich in den unruhigen Zeiten des Mittelalters unter den Schutz der Grundherren zu begeben.
    Die Grundherrschaft bezeichnete ein wechselseitiges Treueverhältnis zwischen Grundherren und Eigenbehörigen. So hatten die Grundherren vor allem die Verpflichtung, ihre eiogenbehörigen Bauern militärisch zu schützen, ihre Angelegenheiten zu verwalten, ihnen in Notlagen zu helfen sowie in Streitigkeiten Recht zu sprechen. Sie waren auch verpflichtet, die Höfe nach dem Tode der Väter wieder mit deren Söhnen oder einem Verwandten zu besetzen.Die Bauern hatten einen festen Anspruch auf die Nutzung des Gutes und durften auch bei Verkäufen nicht willkürlich entlassen werden. Auf der anderen Seite hatten die Eigenbehörigen zahlreiche Verpflichtungen: hierzu gehörten die landesherrlichen Schatzungen (die Steuern für den Landesherrn), die grundherrlichen Abgaben in Form von Geldleistungen, Naturalabgaben und Hand- und Spanndiensten sowie die in gleicher Form fälligen Leistungen für Pastorate und Küstereien. Weiterhin waren z.B. bei der Hofübernahme ein "Gewinngeld", bei der Heirat ein "Auffahrtsgeld" und beim Tode der "Sterbfall" zu zahlen.
    Die Verpflichtungen griffen weit in die persönliche Freiheit ein: der Eigenbehörige war mit seiner ganzen Familie an den Hof gebunden und konnte nur durch Zahlung eines Geldbetrages den "Freibrief" für sich oder ein Familienmitglied erreichen, falls der Grundherr zustimmte oder durch Gerichtsbeschluß dazu gezwungen wurde. Die grundherrlichen Entscheidungen bezogen sich weiterhin auf Heirat, sämtliche Rechtsgeschäfte, die die Interessen des Grundherrn berührten, z.B. Verpachtungen an Kötter, Vermietungen, Schenkungen, Bürgschaften sowie die Aufnahme von Darlehen. Zur Durchsetzung seiner Ansprüche besaß der Grundherr eine begrenzte Beschlagnahme- und Strafgewalt; doch konnte der Bauer die Gerichte des Landes anrufen, was auch öfter geschah.
    Das gesamte für unseren Bereich geltende Hofrecht des Benediktinerinnenklosters Überwasser wurde 1647 in 34 Artikeln zusammengefaßt. Sie regelten das dingliche und persönliche Verhältnis der Eigenbehörigen zu ihrer Grundherrin, der Äbtissin, und wurden jedes Jahr zum Hofsprachetag (30. Juni) vorgelesen. Dazu hatten alle männlichen Eigenbehörigen zu erscheinen.
Die meisten Höfe wurden in unserer Heimat als Erbenhöfe (Vollerben und Halberben) geführt. Waren keine männlichen Nachkommen vorhanden, konnten die einheiratenden Männer als Anerben den Hof und dessen Namen übernehmen. Die Unteilbarkeit der Höfe wurde bereits 1680 in einem Edikt festgelegt und sicherte den Bauern die wirtschaftliche Überlebensfähigkeit, zusammen mit Vorschriften, die die Abgaben der Bauern an die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit ihrer Höfe banden.

Im Gebiet von Coerde gehörten Ende des 18.Jh. acht eigenbehörige Höfe zum Stift Cappenberg, wie aus den zugehörigen "Gewinnbriefen" - Pachtbriefen ersichtlich ist: Schulze Dieckhoff, dessen Hof bereits seit 1171 beurkundet ist, Lippmann, Hagemann, Schmiemann, Ahlert, Holtmann, Kreickelbeck und Reckfort. So enthält z.B. der Gewinnbrief des Eigenbehörigen Ahlert vom 17.11.1795 den folgenden Text: "Durch das Absterben der Witwe Ahlert ist der Hof gänzlich ledig geworden. Die älteste Tochter, Maria Ahlert, bittet mit ihrem Verlobten Bernd Rinnemann, einem Eigenbehörigen des Domkapitels zu Münster, um Pachtung des Hofes auf Lebenszeit. Der Probst stimmt diesem Antrag zu. An Vorgewinn und für Sterbefall müssen sie 50 Rt. entrichten. Die Pächter geloben, jährlich um Martini 4 Malt. Roggen, 2 Malt, 6 Scheffel Hafer, alles Münst. Maß, abzuliefern und den Pachtrückstand mit jährlichen Zahlungen zu berichtigen. Außer der Pacht sind für Haus Coerde folgende Dienste zu leisten: 1/2 Tag Mist streuen und Cappenberger Kutschwagen fahren, wenn sie an der Reihe sind. B. Rinnemann muß den Geschwistern, wenn sie vom Hofe wegheiraten, 50 Rt. auszahlen und ihnen einen Kastenwagen und den Freibrief aushändigen."
Ähnlich alt wie der Hof Schulze Dieckhoff in Coerde ist der Hof Schulte Sprakel, der erstmals 1172 erwähnt wird. Aus diesem Jahr stammt eine Schenkungsurkunde, in der der (adelige) Ministeriale Meinhardus von Spraclo als Zeuge genannt wird. 1276 ist aus einer anderen Urkunde nachweisbar, daß der Besitz Spraclo der Domprobstei eigenbehörig war, und daß die Domprobstei ihn als Lehensträger dem Ritter Theodor von Schonebeck aus dem benachbarten Nienberg übertragen hatte. 1337 wurde der Hof Spraclo für 550 Rt. an das Marienkloster zu Überwasser verkauft und war ihm in den Folgejahrhunderten, wie die meisten anderen Sprakeler und Sandruper Höfe, eigenbehörig.
 

3. Unter preußischer Herrschaft im 19. Jahrhundert 

    Die kirchliche Grundherrschaft endete im ländlichen Raum unserer Heimat mit der Säkularisierung 1803. Mit dem Reichsdeputationshauptschluß von Regensburg gingen die kirchlichen Güter unserer Heimat in den Besitz Preußens über. Die Aufhebung der Grundherrschaft insgesamt erfolgte in zwei Schritten: zunächst wurden unter der Napoleonischen Herrschaft zwischen 1806 und 1813 durch kaiserliches Dekret vom 12.12.1808 die vormals eigenbehörigen Bauern Eigentümer ihrer Höfe. Einen Monat später, am 11.1.1809, wurde das Lehnswesen aufgehoben; die Abgabeverpflichtungen endeten am 13.9.1811. Als die Preußen 1814 nach der Niederlage Napoleons bei Leipzig erneut in Münster einzogen, ließen sie sich mit dem Nachvollzug der Napoleonischen Reformen zunächst einmal Zeit. Erst mit der "Ordnung wegen Ablösung der Reallasten" vom 13.7.1829 konnten die Bauern Eigentümer ihrer Höfe werden, allerdings - im Unterschied zu den Napoleonischen Dekreten - nur gegen Bezahlung. Aufgrund der komplizierten und die Bauern finanziell stark belastenden Ablöseregelungen zog sich die "Bauernbefreiung" bis weit ins 20. Jh. hinein. Günstig für den Erwerb der Höfe war im Münsterland die Tatsache, daß sie als früheres kirchliches oder klösterliches Eigentum bei der Säkularisierung in den Besitz des preußischen Staates übergegangen waren; von ihm waren sie eher zu erwerebn als von den Adeligen, die weiterhin ein erhebliches Interesse an den laufenden Abgaben der BAuern besaßen.
Für die Landwirtschaft in Sprakel, Sandrup und Coerde ist neben der Bauernbefreiung die Markenteilung von 1821 von Bedeutung. Nach den Landnahmen des Mittelalters waren die zwischen den Hoffluren gelegenen Ländereien als Allmenden, gemeine Marken oder als Gemeinheiten von den umliegenden Bauern gemeinsam genutzt worden. Diese Allmenden bestanden aus Wald, Grünland oder Heideflächen; sie wurden als Viehweiden, zur Gewinnung von Brenn- und Bauholz sowie von Plaggen zur Düngung gebraucht. Die in unserer Heimat seinerzeit bekannten Heideflächen, wie die Kley-Heide, die Plugger-Heide (Plög-Heide) und die Coer-Heide waren durch übermäßigen Holzeinschlag in den Wäldern und durch Überweidung entstanden.
Wurde die Nutzung der Allmenden während des Mittelalters durch Markgenossenschaften weitgehend demokratisch geregelt, erfolgte die Verwaltung in den folgenden Jahrhunderten durch die Grundherren. Mit dem preußischen Dekret vom 7.6.1821 zur "Gemeinschafts-Teilungs-Ordnung" konnten die Gemarken aufgeteilt werden. In Münster wurde eine Generalkommission für die Markenteilung eingerichtet, die die Markenteilung vornahm und die Bazahlung nach Taxwert entgegennahm. Die Wege innerhalb der neu aufgeteilten Marken verblieben in Gemeineigentum und mußten von den Bauern weiterhin unterhalten werden. Mit der sich über viele Jahre hinziehenden Markenteilung war die Aufteilung der landwirtschaftlichen Nutzfläche auch im Raum Sprakel, Sandrup und Coerde vorerst abgeschlossen.
 Nach dem Wiener Kongreß teilte Preußen sein Reich in Provinzen auf. Münster wurde 1815 Hauptstadt der Provinz Westfalen. Die weitere Verwaltungsuntergliederung sah Regierungsbezirke, Kreise und Ämter vor, die ihrerseits wiederum in Gemeinden unterteilt werden konnten. Mit der Verordnung der Königlich-Preußischen Regierung vom 10.8.1816 wurden Sprakel, Sandrup und Coerde in politisch-verwaltungsmäßiger Hinsicht bis zum 30. März 1903 der Gemeinde Überwasser zugeordnet. Mit der Auflösung dieser Gemeinde und ihrer Einverleibung in die Stadt Münster zum 1.4.1903 wurden Sprakel, Sandrup und Coerde nunmehr der Gemeinde St. Mauritz im Amt St. Mauritz angegliedert. Diese Zuordnung bestand für Coerde bis zum Jahr 1956 und für Sprakel und Sandrup bis zum Jahr 1975, als sie im Zuge der kommunalen Neuordnungen in die Stadt Münster eingemeindet wurden.
 In kirchengemeindlicher Hinsicht verblieben Sprakel, Sandrup und Coerde ebenfalls bis zum Jahr 1903 bei der Kirchengemeinde Überwasser.In diesem Jahr wurde Kinderhaus zum Rektoratsbezirk erhoben, Sandrup, Coerde und Uppenberg wurden ihm zugeordnet; Sprakel wurde ab 1904 nach Gimbte abgepfarrt und verblieb dort bis 1937. Gimbte gab in diesem Jahr Sprakel erneut an Kinderhaus ab, damit von dort aus ein Pfarr-Rektorat für Sprakel errichtet werden sollte. Eine Kirche war in Sprakel bereits 1934 gebaut worden. 1948 wurde Sprakel dann selbständige Pfarrei.
 In wirtschaftlicher Hinsicht blieben Sprakel, Sandrup und Coerde bis zur Jahrhundertwende ausschließlich von der Landwirtschaft geprägt. Die Bauern waren nunmehr selbständige Unternehmer, die nicht mehr nur für den eigenen Bedarf, sondern überwiegend für den Markt produzierten. Die Ernteerträge stiegen kontinuierlich, zunächst durch eine Ausweitung der Ackerflächen aufgrund von Rodungen des Ödlands und der Umstellung der Bewirtschaftung von der einfachen Dreifelder-Wirtschaft mit einer Brache über die verbesserte Dreifelderwirtschaft unter Einbeziehung von Blattfrüchten bis hin zur Fruchtwechselwirtschaft. Im letzten Drittel des 19. Jh. stiegen die Erträge aufgrund der Intensivierung der Produktion durch den verstärkten Einsatz von Guano und Kunstdünger sowie aufgrund von Veredelungsmaßnahmen sowohl im Getreideanbau als auch in der Viehzucht.
Die Viehzucht selbst wurde relativ zum Ackerbau ausgedehnt, vor allem die Schweinezucht. Im Ackerbau kam es zu Verschiebungen in den Fruchtarten. Der Roggen behielt auf den leichten Böden zwar seine dominierende Stellung; verstärkt wurde jetzt jhedoch Hafer angebaut, um die steigende Zahl von Pferden ernähren zu können. Der Buchweizen verschwand zugunsten des Menggetreides. Eine starke Vermehrung erfuhren Hackfrüchte und Futterpflanzen, also Runkelrüben, Kartoffeln und Klee. Wenngleich auch zahlreicheneue Arbeitsmaschinen entwickelt und bestehende Maschinen und Werkzeuge verbessert wurden, spielten Mechanisierung und Spezialisierung in der Landwirtschaft noch bis zum Anfang der 50er Jahre des 20. Jh. nur eine untergeordnete Rolle. Die Landwirtschaft wurde weiterhin arbeitsintensiv betrieben, da die schweren Antriebsmaschinen einerseits auf den Böden kaum einsetzbar waren, andererseits ausreichend Arbeitskräfte zur Verfügung standen.
 Die Landwirte begannen sich in Orts- und Kreisverbänden des Westfälischen Bauernvereins zu organisieren, der gegenwärtig im Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband weiterlebt. Die 1894 entstandene Landwirtschaftskammer brachte zusätzlich Beratung und Ausbildung im Anbau und in der Betriebsführung aufs Land.
 

4. Die Entwicklung im 20. Jahrhundert bis zum 2. Weltkrieg 

Für die weitere Entwicklung, speziell von Sprakel, ist der Bau der Eisenbahnlinie von Münster nach Rheine (Einweihung am 21. Juni 1856) und die Errichtung einer Haltestelle Sprakel im Jahr 1888 von großer Bedeutung. Beim Hof Plugge wurde die Fahrkartenausgabe vom Bauern Plugge in einem Bahnwärterhäuschen besorgt; 1895 wurde eine Halle gebaut. Nun traf es sich, daß der Baumschulbesitzer Franz Anton Hanses, der bereits in Hiltrup und in Geeste zwischen Lingen und Meppen Baumschulen besaß, mit dem Zug durch Sprakel fuhr und erkannte, daß sich das dortige verkehrsgünstig angebundene Land am Übergang der B 219 über die neue Eisenbahnlinie für eine weitere Baumschule eignen würde. Hanses erwarb daraufhin den dortigen Bauernhof Plugge mit seinen 250 Morgen Land und der sich über die (jetzige) Dorfmitte erstreckenden Plugger-Heide, betrieb ab 1906 den Bau eines Güterbahnhofes in Sprakel, der 1907/1908 gebaut wurde, und begann 1910, auf etwa 50 Morgen Land eine Baumschule zu errichten, die er kurz darauf durch den Ankauf von Gerdings Kotten erweiterte. So gewann Sprakel ein 2. wirtschaftliches Standbein neben der Landwirtschaft. Im Jahr 1925 trat Josef Koering als Schwiegersohn von Franz Anton Hanses dessen Nachfolge an; die Sprakeler Baumschule erhielt erst den Namen Forstbaumschulen Koering, zwei Jahre später, zur Erinnerung an ihren Gründer, den Namen Forstbaumschulen Hanses-Koering.
Die Forstbaumschulen wuchsen in den nachfolgenden Jahren und Jahrzehnten durch den Ankauf weiterer Höfe, wie z.B. Meyers Kotten und Dirk's Kotten sowie weiterer einzelner Ländereien. Dieses Wachstum wurde durch die Politik des 3. Reiches begünstigt, die mit dem Reichsforstgesetz die Wiederaufforstung verödeter Gebiete vorsah, feste Preise garantierte, aber auch die Mengen quotierte. Produziert wurden zu 70 - 80 % Nadelhölzer, vornahmlich Fichten und Kiefern, die zum größten Teil an staatliche und kommunale Forstämter geliefert wurden.
 Bis in die 50er Jahre hinein waren in den Forstbaumschulen regelmäßig ca. 100 Personen vollbeschäftigt, davon während des 2. Weltkriegs auch etwa 50 Polen; hinzu kamen während der Versandzeiten noch bis zu 50 weitere Aushilfskräfte. Zur Unterbringung der Arbeiter wurden verschiedene Behelfsheime gebaut;darüberhinaus setzte mit dem Anwachsen der Arbeiterschaft eine erste Siedlungstätigkeit im Raum Sprakel ein.
Um 1900 standen im Ortsgebiet Sprakel nur einige wenige Kötterhäuser: an der Straße Dreilinden waren es Keysberg, Tenkhoff und Gerding; am jetzigen Hangkamp standen Pohlkamp (an der Aa), Bettmann, Grothues, Vewin und Kock. An der heutigen B 219 stand zwischen dem Bahnhof und der Sandruper Schule neben der Gaststätte Sandruper Baum nur ein einziges Haus, das der Familie Freese, heute Teigelkamp. Ansonsten breitete sich beiderseits der Straße in der Plugger-Heide nur Kiefernwald aus. Dieser wurde zwischen 1914 und 1918 durch französische Kriegsgefangene gerodet und urbar gemacht. Damit wurde zugleich Platz für weitere Ansiedlungen geschaffen. Bis zum ersten Weltkrieg wurden insgesamt nur 17 weitere Häuser, vornehmlich entlang der B 219 und der jetzigen Straße Dreilinden gebaut. Weitere 31 Häuser entstanden zwischen 1919 und 1939 an der B 219, an Dreilinden und am Hangkamp.
 1916 wurde in Münster die Siedlungsgesellschaft "Rote Erde" als halbstaatliche Organisation unter der Leitung des Landeshauptmanns der Provinz Westfalen, dem Vorgänger des heutigen Landschaftsverbandes ins Leben gerufen. Ihr ursprünglicher Zweck war es, als gemeinnützige Siedlungsgesellschaft den Kriegsopfern und nachgeborenen Landwirtssöhnen in der Landwirtschaft eine Existenz zu verschaffen. Diese Siedlungsgesellschaft erwarb 1916 rund 400 Morgen Land vom Gut Schulte Sprakel sowie ein kleineres Stück vom Hof Averbeck in der Sprakeler Heide. So konnte W. Gausepohl 1917 von der Siedlungsgemeinschaft "Rote Erde" 60 Morgen Grund und Boden erwerben. Auch Niesing und Nordmann, die früher als Kötter zu Schulte Sprakel gehörten, kauften ihre Höfe von der "Roten Erde" zurück. Auf diese Weise entstanden durch den Verkauf der Siedlungsgemeinschaft u.a. die folgenden kleinen Höfe in der Sprakeler Heide: Bultmann, Kötter,  Rheinländer, Wiek (Rose), Hagedorn, Teigelkamp. Damit besaß der Ortsteil Sprakel bis zum Ausbruch des 2. Weltkriegs insgesamt nur etwa 80 Ein- und Mehrfamilienhäuser, d.h. die Zahl der Einwohner lag, ohne die bei Hanses-Koering direkt wohnenden Arbeiter, zu dieser Zeit bei schätzungsweise 400 - 600 Personen.
 

5. Während des 2. Weltkriegs 

Die schrecklichen Ereignisse des 2. Weltkriegs gingen auch an Sprakel, Sandrup und Coerde nicht spurlos vorbei. Wenngleich nur ein paar Dutzend Bomben auf unser Gebiet fielen, die auch keinen größeren Schaden anrichteten, zitterten die Bewohner doch bei jedem Luftangriff auf die nahe gelegene Großstadt Münster mit; die Keller und Luftschutzbunker mußten aufgesucht werden. Beschädigungen an Gebäuden traten erstbeim Einmarsch der Engländer Ostern 1945 auf, als deutsche Soldaten auf dem Rückzug beim Bauern Schlautmann an der B 219 noch eine Panzersperre aufbauen wollten, und die Flak in Sandrup gegen die aus Greven und Gimbte anrückenden Panzertruppen der Engländer schoß. Als die Engländer am Ostersonntag zurückschossen, setzten sie die Bauernhäuser von Schlautmann, Beckmann und Mertens in Brand.
Die Wirtschaft Humberg wurde für die Einquartierung ausgerichtet; später zog die Kommandantur in die Villa von Koering. Nachdem am 4. April die Sandruper Flakstellung erobert worden war, zogen die Engländer nach Münster weiter. Am Ende des Krieges wurden 32 Soldaten als vermißt und 70 als gefallen gemeldet.
Schlimm war die unmittelbare Nachkriegszeit: Hausbesetzungen, Plünderungen und Vergewaltigungen waren an der Tagesordnung, bis sich die Bürger zu Bürgerwehren zusammenschlossen und auch die Aliierten die Ordnung einigermaßen wiederherstellten. Hunger und Not betrafen vor allem die ausgebombten Bürger der Großstadt Münster sowie anderer Städte. Als sog. Hamsterer zogen sie zu Hunderten durch das Land zu den Bauern, um Nahrungsmittel zu erwerben.
Ab Oktober 1945 zogen auch die ersten Ostflüchtlinge in Sprakel ein; 200 Personen wurden zunächst provisorisch im Saal Humberg untergebracht; von dort aus wurden sie, zum Teil zwangsweise, den hiesigen Landwirten zur Einquartierung zugewiesen. Damit waren die Weichen für die weitere Besiedlung Sprakels gestellt.

[Auszug aus: Elmar Lange (Hrsg.): "1200 Jahre Münster - Münsters Norden feiert in Sprakel", Münster 1993]Coerde

 

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